Equipe Kölsche Klüngel
  2015 WM in Oudenaarde
 
Rennbericht

Die Taktik stand, das Wetter passte, das Material sowieso. Voll motiviert und voller Vorfreude stand ich am Start der World Press Cycling Championships. 5 – 4 – 3 – 2 – 1 – Go! Los ging‘s zum 23 km langen Einzelzeitfahren über Belgische Radwege und – Belgisches Kopfsteinpflaster.

Ein wenig Zeitfahr-untypisch mussten wir nämlich den Oude Kwaremont bezwingen. Oude Kwaremont heißt übersetzt so viel wie „alter mieser Hügel“. Bis zu 12 % Steigung und echte Kasseien, wie der Belgier sein Kopfsteinpflaster nennt, haben dem Anstieg seinen Namen eingebracht.
 
Für mich hatte der Berg ein wenig seines Schreckens verloren, seit ich mit meinen Swiss Side Gotthards unterwegs bin. Die Laufräder sind zwar keine klassischen Zeitfahrlaufräder, aber wie gemacht für diese speziellen Bedingungen. Und so startete ich gut gelaunt und optimistisch in den Kampf gegen die Uhr.

Photo by GripGrab Media Crew | Martin Paldan

In der ersten Kurve etwas übermotiviert ein paar extra Meter genommen, ging es die erste Hälfte mit Rückenwind flott dem Oude Kwaremont entgegen. Hier würde man entscheidende Sekunden liegen lassen oder eben gewinnen können, das war klar. Angefühlt hat es sich nicht unbedingt so, aber gut bereift und angetrieben vom Auto im Nacken gab es keine Ausrede: schnell hoch da!
 

 
Photo by GripGrab Media Crew | Wannes Bosman

Vom 17. bis zum 20. September fanden im Belgischen Oudenaarde die World Press Cycling Championships statt. Ich ging sowohl im Zeitfahren als auch im Straßenrennen an den Start. Und ich hatte ein Ziel: Ich wollte eine Medaille gewinnen.
 
Deswegen gab ich auch nach dem Oude Kwaremont Gas. Auch wenn die Beine gegen den Wind immer schwerer wurden. Aber ich wollte unbedingt dieses besondere Gefühl erleben, wenn man auf dem Siegerpodest steht, einem eine Medaille umgehängt wird und die Nationalhymne ertönt. Selbst wenn es nicht die eigene Hymne ist – Gänsehaut ist garantiert.
 
Und es klappte. Ich durfte zur Siegerehrung. Die Farbe der Medaille: Bronze.
 
  
Photos by GripGrab Media Crew | Martin Paldan

Am nächsten Tag stand das Straßenrennen auf dem Programm. Meine stärksten Konkurrentinnen würden die beiden Niederländerinnen sein, die am Vortag Gold und Silber gewonnen hatten, das war klar. Da musste eine Taktik her! Und welche Taktik könnte besser sein, als seine Stärken auszuspielen – und die des Materials?
 
So stand nach den guten Erfahrungen vom Vortag schnell fest: Auf dem Kopfsteinpflaster wollte ich attackieren. Gesagt getan. Kraftvoll trieb ich meine Gotthards über den 900m langen Holleweg.

Photo by GripGrab Media Crew | Martin Paldan

Aber ich musste lernen: Niederländerinnen sind nicht unbedingt die schlechtesten Kopfsteinpflaster-Fahrerinnen. So hatte ich nach der Passage zwar einen kleinen Vorsprung, für ein Ausreißen reichte es aber nicht. Vielmehr musste ich wenig später eine der Niederländerinnen ziehen lassen und mich im Zielsprint auch der zweiten geschlagen geben. Aber ich war zufrieden: erstes hatte ich es probiert und zweitens hatte ich eine zweite Bronzemedaille gewonnen. Wahnsinn!
 
Als Resümee bleibt, dass diese Weltmeisterschaften wirklich ein ganz besonderes Erlebnis waren. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie feierten wir unsere Weltmeisterschaften als die wichtigsten des Jahres. Richmond, wo ist das? Als Gastgeber kann ich mir kein Land besser vorstellen als das radsportverrückte Belgien. Und in Sachen Material hätte ich mir keine geeigneteren Laufräder wünschen können, als meine Swiss Side Gotthards.


 

 
   
 
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